Neulich habe ich jemanden sagen hören:
„Der Matcha hier ist gut, weil sie Ceremonial Grade benutzen.“
Und ich musste kurz schmunzeln.
Nicht, weil der Matcha schlecht war.
Und auch nicht, weil die Person etwas Falsches gesagt hätte.
Sondern weil ich mich gefragt habe:
Wissen die meisten eigentlich, was mit „ceremony“ in Teezeremonie gemeint ist?
Gerade hier in Deutschland — besonders rund um Cafés und Social Media — ist Ceremonial Grade inzwischen überall zu sehen. Der Begriff klingt hochwertig, traditionell und authentisch. Fast so, als wäre es die höchste offizielle Qualitätsstufe für Matcha.

Aber in Japan ist das Ganze deutlich komplizierter.
Denn: Ceremonial Grade ist eigentlich kein offizielles japanisches Bewertungssystem. Es gibt in Japan keinen staatlichen Standard, der genau definiert, was „Ceremonial Grade“ überhaupt bedeutet.
Und ehrlich gesagt finde ich den Begriff manchmal etwas seltsam.
Denn wenn jemand „ceremonial“ sagt, frage ich mich immer:
Von welcher Zeremonie sprechen wir eigentlich?
Die japanische Teezeremonie — 茶道 (sadō) — dreht sich nicht einfach nur darum, besonders teuren Matcha aus einer schönen Schale zu trinken.
Sie ist geprägt von Jahreszeiten, Atmosphäre, Gastfreundschaft, Bewegungen, Utensilien und zwischenmenschlicher Aufmerksamkeit.
Der Matcha selbst ist dabei nur ein Teil des Ganzen.
In der Teezeremonie gibt es nicht einfach „den besten Matcha“. Die Wahl verändert sich je nach Jahreszeit, Anlass, Teeschule oder sogar abhängig davon, welche Wagashi serviert werden.
Manchmal passt ein kräftiger, umami-reicher Matcha besser.
Manchmal etwas Leichteres und Sanfteres.
Es gibt Nuancen.
Deshalb sprechen Teeproduzenten in Japan meist viel konkreter über Matcha. Statt nur „ceremonial“ oder „culinary“ zu sagen, geht es eher um Herkunft, Cultivar, Blend oder darum, ob ein Matcha eher für Koicha oder Usucha geeignet ist.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Matcha mit der Bezeichnung Ceremonial Grade automatisch schlecht ist. Es gibt viele wunderbare Matcha, die unter diesem Namen verkauft werden.
Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ein sehr tiefes Kulturgut dadurch auf einen simplen Marketingbegriff reduziert wird.
Und genau das hat sich für mich verändert, seit ich Teezeremonie lerne.

Früher habe ich Matcha vor allem nach Geschmack beurteilt. Bitter oder mild. Viel Umami oder nicht.
Heute achte ich auf ganz andere Dinge:
auf die Atmosphäre im Raum, auf die Jahreszeit, auf die Süßigkeit zum Tee, auf das Geräusch des Wasserkessels oder darauf, wie sich die Teeschale in der Hand anfühlt.
Der Matcha selbst wurde nur ein Teil einer viel größeren Erfahrung.
Gerade in Düsseldorf merken viele Menschen oft zuerst über Cafés oder Matcha Latte, wie spannend Matcha eigentlich sein kann — und ich finde das ehrlich gesagt etwas Schönes. Matcha muss nicht exklusiv oder einschüchternd sein.
Aber vielleicht lohnt es sich manchmal, hinter Begriffe wie Ceremonial Grade zu schauen und zu fragen, woher diese Vorstellungen überhaupt kommen.
Denn Teezeremonie bedeutet am Ende nicht, einfach nur den „höchsten Grade“ zu kaufen.
Sondern Aufmerksamkeit. Jahreszeitenbewusstsein. Gastfreundschaft. Und das bewusste Erleben eines kleinen Moments bei einer Schale Tee.
Matcha Düsseldorf — Matcha über Marketingbegriffe hinaus erleben
In meinem kleinen Studio bei Düsseldorf und Neuss biete ich Matcha- und Tee-Workshops an, die von japanischer Teekultur und Jahreszeiten inspiriert sind.
Dabei geht es nicht nur um Begriffe wie „Ceremonial Grade“, sondern darum, Matcha auf eine persönlichere und kulturellere Weise kennenzulernen — durch Tee, Wagashi, Atmosphäre und gemeinsame Zeit.